Weibliche und männliche Kommunikation im Beruf

8. Juli 2019

Geschlechterunterschiede zu betrachten ist wie Eintauchen in die der Welt der Rollenklischees. So auch bei der Analyse von weiblicher und männlicher Kommunikation im Beruf.

Männer sind Frauen bei der Durchsetzung von Macht einfach überlegen und erfolgreich. Das ist nicht immer schön, aber natürlich. Die Biologie eben. Denken Männer. Und leben damit, lassen es einfach dabei. Warum was ändern? Frei nach dem Motto: Never change a winning team.

Frauen lassen natürlich gar nichts dabei. Auch nicht im Beruf.

Die einen wollen “zwischen den Zeilen lesen“ lernen, das „Geheimnis“  hinter der Art, wie die Männer zu ihrem Erfolg kommen, wie sie kommunizieren, endlich entschlüsseln. Sie haben es satt, Verhaltensweisen zu erleben, die Frauen ganz selbstverständlich dominieren, verunsichern oder gar körperlich belästigen. Sie fragen sich auch, wie es sein kann, dass die Herren mit Aktionen, die aus weiblicher Sicht weder klar durchdacht, logisch noch sachorientiert – dennoch  höchst erfolgreich sind. Wie ist das möglich?

Weibliche und männliche Kommunikation im BerufDie anderen wollen vor allem wissen, wie sie endlich von dem Kuchen was abkriegen, den Männer anscheinend am liebsten unter sich aufteilen? Was Frauen eigentlich einem gleichberechtigten Zugang zu beruflichem Rang und Anerkennung im Weg steht? Ausbildung, Leistung, spitzen Noten, fachlicher Durchblick, großer Einsatz sind es garantiert nicht. Frauen haben da sehr oft viel mehr zu bieten, als Männer. Trotzdem kommen sie nicht weiter. An was aber liegt es dann?

Zum Beispiel am Auftreten und einer Art zu kommunizieren,  die Frauen einfach fremd ist. Es ist wie eine Fremdsprache.  In fast allen Teilen der Welt gesprochen. Diese Sprache „Männliche Kommunikation“ zu kennen und zu können, also zusätzlich im weiblichen Verhaltens-/Sprachenportfolio zu haben, ist von unschätzbarem Vorteil. Wohlgemerkt zusätzlich. Kluge Frauen sind mehrsprachig.

Was ist denn nun das Besondere an dieser Sprache? Sie ist vor allem einfach. Sie sichert Macht und Überlegenheit durch virtuosen Gebrauch einer äußerst wichtigen Vokabel: Hierarchie. Männer kennen und achten sie. Sie denken und leben darin. Statt gleichberechtigt, lieber vertikal, in Höher und Niedrige-Kategorien. Sie suchen den möglichst besten Platz innerhalb einer Rangordnung.

Nonverbale Kommunikation ist dafür hervorragend geeignet.

 

Statussymbole zeigen sichtbar, was Mann schon erreicht hat:

  • Eine teure Uhr,
  • hochwertige Maßschuhe von langlebiger Qualität,
  • teurer Dienstwagen der Oberklasse,
  • ein reservierter Parkplatz auf dem Firmengelände,
  • repräsentatives, edel ausgestattetes Büro in bester Lage,
  • Mitgliedschaften in Spitzen Clubs,
  • die besten Schulen und Universitäten der Kinder,
  • gute Manieren und Business Etikette
  • exotische Urlaube
  • und nicht zuletzt junge Frauen.

 

Statusorientiertes Verhalten zeigt, wie Mann dahin kommt:

  • Nie den Vorgesetzten übergehen,
  • nie offen Kritik üben,
  • Reihenfolge und Art der Begrüßung ernst nehmen,
  • Zoten reißen-Raum einnehmen,
  • breitbeinig stehen und sitzen-
  • viel reden/senden, senden, senden,
  • nicht zuhören,
  • irritierende Bemerkungen machen,
  • stören,
  • unterbrechen,
  • Grenzen missachten,
  • verunsichern,
  • notorisch zwischenfragen,
  • Neckereien untereinander,
  • Seilschaften bilden zur Absicherung der Macht…

Frauen und Männer kommunizieren im BerufImmer geht es um Status, Rang, Ansehen. Ranghöhere werden selbstverständlich anerkannt und von Rangniedrigeren grenzen statusbewusste Männer sich ab. Bis die richtige Position erreicht ist, gibt es Rivalitätsspielchen, Rangeleien und Kämpfe. Mit einem ganz bestimmten Zweck: Die Teilnehmer erkennen, welchen Platz sie in der Unternehmenshierarchie haben. Wer nicht mitspielt, hat auch keine Position. Ganz einfach.  Machtspiele eben, immer wieder von neuem, Blessuren gibt es, ja, werden natürlich weggesteckt. Ganz sportlich.

 

 

Männer im Beruf

  • Bewegen sich in Hierarchien
  • Rangordnungsspiele
  • Sich Durchsetzen
  • Siegen und Gewinnen

–> Vertikale Kommunikation – oben und unten

Männer setzen auf:   

  • Status
  • Rangordnung
  • Abgrenzung
  • Revier

 

Frauen im Beruf

  • Empathie
  • Zuhören
  • praktisch
  • fleißig
  • einsatzbereit
  • ehrgeizig
  • offenes Netzwerk
  • Freundliche Atmosphäre
  • Fairness
  • Betonung von Gemeinsamkeiten.

Rangordnung gibt es nicht, alle sollen gleich sein, niemanden ausgrenzen – alle (die nett sind) mitnehmen.

–> Horizontale Kommunikation – auf einer Ebene

Frauen setzen auf:    

  • Empathie
  • Harmonie
  • Austausch 
  • Gleichheit
  • Gerechtigkeit
  • Inhalte

 

Woher kommen diese Unterschiede?

Die international bekannte amerikanische Soziolinguistin Deborah Tannen hat in ihrer wissenschaftlichen Forschung  das Spiel von Jungen und Mädchen  beobachtet.  Frappierend ist, wie vollkommen anders sich beide beim Spielen verhalten. Sie wählen auch vollkommen andere Spiele.

 

Die Spiele der Kinder

Jungs Wettkampf FußballJungen bevorzugen Fußball. Die meisten. Weltweit. Ein festes Regelsystem, eine Mannschaft, festgelegte  Positionen und das Ziel aller ist es, zu gewinnen –  stärker, schneller als der Gegner zu sein – die meisten Tore zu schießen. Nicht immer ist es die bessere Mannschaft, die gewinnt. Aber Jungs lernen sich durchzusetzen. Durch Körperkraft, Tricks und Cleverness , manchmal einfach durch Glück. Wurst, gewonnen ist gewonnen. Das zählt. Und mitmachen darf jeder, egal  wie sympathisch ein Mitspieler ist, ob die anderen ihn leiden können. Solange er Leistung bringt, sich an die Regeln hält, der Mannschaft hilft, erfolgreich zu sein, so lange ist er dabei. Wenn er nicht gut genug ist, gehts  auf die Bank. Aber er bleibt Teil der Mannschaft.

Jungs lernen: Wettkampf macht richtig Spaß.

In den Spielen der Mädchen, mit oder ohne Puppen, gibt es keine Rangordnung und größere Gruppen selten. Es wird gern der Alltag nachgespielt. Man denkt sich Szenarios aus und verteilt Rollen – zum Beispiel Vater-Mutter-Kind.

Es geht um fairen Umgang und Konsens. Dazu gibt keine festen Regeln und zu gewinnen gibt es nichts – aber man kann verlieren. Wenn die anderen einen nicht leiden können. Wer dauernd bestimmen oder besser als die andern sein will, wird nicht mehr gemocht, ist nicht mehr sympathisch und darf dann eben nicht mehr mitspielen. Das entscheidet vielleicht nur eine, die andern Mädchen, die gar nicht dabei waren, schließen sich an. Aus. Will sie jemals wieder mitspielen, dann nur als Geduldete.

Mädchen lernen: Mitspielen darf nur, wen die andern nett finden.

Solche Erfahrungen prägen das spätere Verhalten.

 

Die weibliche Kommunikation im Beruf:

18 Don`ts

  1. Rangordnung missachten
  2. Den Vorgesetzten übergehen
  3. Im Meeting auf eigene Wortmeldung verzichten.
  4. Wohlfühl-Netzwerke
  5. Emotional empfindlich und persönlich betroffen reagieren
  6. Verbale Angriffe: In Schockstarre verfallen
  7. Sich dauernd entschuldigen
  8. Informationen bereitwillig teilen
  9. Körpersprache unterschätzen
  10. Wenig Raum einnehmen – sich kleinmachen
  11. Wirkung der Stimme nicht beachten
  12. Unterbrechungen nicht kontern, höflich sein
  13.  Kritik üben
  14.  Beliebt sein wollen
  15. Berührungen (z.B. Hand auf den Arm legen) ertragen
  16. Lächel-Reflex
  17. Kopf zur Seite neigen – Unterlegenheitssignal
  18. Kleidung: „Asexuell“, Wohlfühlsachen, Verspieltes

 

Die männliche Kommunikation im Beruf sieht dagegen so aus:

  1. Rangordnung steht über allem.
  2. Die eigene Leistung besonders herausstellen.
  3. Sich gut verkaufen.
  4. „Ich“ kein Fremdwort
  5. Gute Ideen anderer als die eigenen darstellen.
  6. Konflikte sind normal.
  7. Klare Ansagen
  8. Sagen genau, was und wieviel sie wollen.
  9. „Entschuldigung“ selten
  10. Markieren ihr Revier.
  11. Raum einnehmen.
  12. Berührungen, um zu verunsichern und Macht zu demonstrieren.
  13. Reden reden reden, um sich zu positionieren.
  14. Schützen das eigene Territorium.
  15. Machen ihren Status durch Symbole für alle sichtbar.
  16. Netzwerke mit möglichst vielen Hierarchiestufen besonders interessant.

 

Weibliche Kommunikation im Job

 

Und wie verhalten sich Frauen auf dem Weg zur Karriere?

  1. Eigene Leistung herabwürdigen. Dann kann sie wohl auch nicht mehr..
  2. „Wir“ statt „ich“. Beweist Teamfähigkeit. Kann sie es nicht alleine..
  3. Ideen als Frage formulieren. Kein Selbstbewusstsein..
  4. Ständig „Entschuldigung“. Angewohnheit wird als Zeichen der Schwäche gesehen.
  5. Im Ungefähren bleiben. Weiß sie nicht was sie will?
  6. Ewiger „Konjunktiv“: ich würde gerne, kann mir vorstellen.. Fatal im Gehaltsgespräch.
  7. Statussymbole geringschätzen. Falsches Understatement. Keine Macht.
  8. Kein eigenes Revier fordern. Mangelnde Abgrenzung und Selbstbehauptung.
  9. Irrglaube, dass Leistung zählt. Wenn sie nicht für sich wirbt, sieht das keiner. „Klappern gehört zu Handwerk.
  10. Netzwerken für gegenseitiges Verständnis. Frauen wollen keinen Wettbewerb, keine Hierarchie oder Kampf um Positionen.

 

Frauen, die nach oben wollen, vermeiden typisch weibliche Fehler. Stattdessen nutzen sie die Sprache der Männer  – die nonverbale Kommunikation – zu ihren Gunsten. Sie werden von ihren männlichen Kollegen  besser verstanden, können sich dadurch im Unternehmen karrieretechnisch erfolgreich positionieren.

 

Benutzen Sie also die Fremdsprache Männliche Kommunikation

19 Dos   

  1. Rangordnung unbedingt respektieren.
  2. Im Meeting unbedingt immer was sagen.
  3. Statusorientierte Kommunikation – Beiträge nur in Richtung wichtigste Person.
  4. Zielorientiert netzwerken. „Mehr Hierarchiestufen. Nicht nur unter Frauen.
  5. Eigene Leistung betonen. „Klappern gehört zum Handwerk“.
  6. Auf Kritik nicht persönlich, sondern „sportlich“ reagieren.  
  7. Körpersprache der Männer wahrnehmen und richtig einordnen.
  8. Rang- und Revierspielchen der Männer erkennen und teilweise selbst einsetzen.
  9. Informationen und Wissen sind Macht: sparsam damit umgehen.
  10. Berührungen – beliebte Machtdemonstration – retournieren, d.h. es auch tun
  11. Verbale Angriffe, Provokationen, fiese Bemerkungen: Sofort kontern.
  12. Unterbrochen werden: weiterreden
  13. Unterbrechen: ruhig mal „reingrätschen“, wenn der Vortrag kein Ende nimmt.
  14. Mehr Raum einnehmen – Im Sitzen Ellenbogen weg vom Körper – schulterbreit stehen
  15. Stimme: lauter und tiefer
  16. Sprechen: Unbedingt langsam und viele Pausen
  17. Kritisieren: Nie vor anderen – Kein „Ja, aber“ – statt kritisieren, besser: „ergänzen“.
  18. Nicht immer nett, auch mal Pokerface zeigen.
  19. Weiblich selbstbewusste Kleidung. Gerede eventuell abperlen lassen oder kontern.

 

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Die Autorin

Roselie Herrmann ist Trainerin für Business Knigge und Etikette. Auf diesem Blog schreibt sie über Stolperfallen und Fettnäpfchen, die im täglichen Alltag passieren. Sie lebt in Nürnberg.

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